Küttiger Anzeiger 2025

Rückblick des Seelsorgers des Seniorenzentrums Nach 11.5 Jahren in Küttigen wurde Pfarrer Erich Strahm Ende Oktober pensioniert. Dies haben wir zum Anlass für einen Rückblick genommen. Deborah Sommerhalder (DS): Du warst also Dein ganzes Berufsleben Pfarrer. Was hat Dich am meisten geprägt? Erich Strahm (ES): Das Predigen und die Erwachsenenbildungskurse. Im Laufe meiner Karriere lernte ich auch die Seelsorge zu schätzen. So als «junger Trübel» habe ich mir das irgendwie nicht so zugetraut mit meiner geringen Lebenserfahrung; die alten Leute haben mich immer so erwartungsvoll angeschaut, was mich fast erschlagen hat. Was hätte ich ihnen sagen sollen, die hatten ja alle ein Leben lang Erfahrungen gemacht und ich hatte noch nicht so einen gefüllten Rucksack. Mit den Jahren ist es immer spannender geworden für mich. Ich habe auch Weiterbildungen gemacht in lösungsorientierter Seelsorge und Spitalseelsorge. DS: Was waren Herausforderungen? Was ist Dir besonders geblieben? ES: Seelsorge in Ausnahmesituationen z.B. Beerdigungen von Leuten, die sich selber umgebracht haben. Z.B. musste ich einen ehemaligen Konfirmanden, welcher sich ein Jahr nach der Konfirmation umgebracht hat, beerdigen. Auch Sternenkinder bestatten ist etwas ganz Schwieriges. Einmal habe ich eine Familie begleitet, welche Drillinge erwartet hat, die dann innerhalb von 10 Tagen nach der Geburt gestorben sind. Das war sehr schlimm. DS: Und das hast Du so empfunden, obwohl Du keine Kinder hast? ES: Hmm, ja. Einmal hat sich ein Paar zur Trauung angemeldet und hat gesagt, dass es Zwillinge erwartet, welche dann gerade getauft werden sollen. Eins der Zwillinge starb leider im Mutterleib. Erst fand die Beerdigung im kleinen Kreis statt und zu einem späteren Zeitpunkt die Hochzeit mit der Taufe des 2. Kindes. Dies war ein sehr beglückender Anlass. Die Familie zog weg, hat sich aber wieder bei mir gemeldet, als sie ein weiteres Kind bekommen hat, um es wiederum durch mich taufen zu lassen. Es ist auch schön, wenn Leute zu mir kommen und nach unserem Gespräch finden; dass hat mir jetzt gutgetan. Auch bei den Gottesdiensten ist es immer erfreulich, wenn man ein gutes Echo erhält. Also nicht nur: es war schön. Sondern, dass auch was hängen geblieben ist. Und wenn die Musik auch noch dazu passt, dann ist es noch besser. Wir haben wirklich gute Organisten in Küttigen. DS: Wie hat sich Deine Rolle als Pfarrer in den letzten Jahren verändert? ES: Die Tendenz ist vom Generalisten, der alles macht- ob er jetzt begabt ist oder nicht- hin zum Spezialisten. Die Bewegung ist von der Pfarrerzentrierten Kirche hin zur Beteiligungskirche; die Leute werden mehr auch in den Gottesdienst einbezogen und es ist weniger eine «One man Show». DS: Was war Deine Rolle im Seniorenzentrum? Was hat dir besonders Spass gemacht? ES: Einerseits die Gottesdienste; Aussagen wie „Diiir, hüt isch de Gottesdiänst würkli schön gsi! Bi gern bi oich gsi!“ sind sehr ermutigend. Andererseits das Besuchen der Bewohnerschaft und die damit verbundene Seelsorge. Unregelmässig bin ich aufgekreuzt und durfte den Menschen Zeit schenken. Ich fand es immer spannend den alten Menschen zuzuhören, was sie aus ihrem Leben oder auch einfach sonst zu erzählen haben. Von aussen sehen viele der Bewohnenden einfach aus, haben jedoch ein sehr reiches Innenleben, wenn man ihnen dann mal richtig zuhört. DS: Was wird Dir am meisten fehlen? ES: Schon der Kontakt mit den Menschen, welche einem ans Herz gewachsen sind. Das ist aber normal. Man muss immer gewisse Sachen zurücklassen und neue kommen dazu. Wenn man wieder zurückkehrt, ist es immer wieder schön und ein grosses „Hallihallo“. In Rothrist, wo ich jetzt hingezogen bin, wurde ich schon gefragt, ob ich mich engagieren will. Jetzt mache ich aber erstmal einige Stellvertretungen, spare etwas und hoffe dann, meinen lang gehegten Wunsch - nach Spitzbergen zu den Eisbären zu reisen - erfüllen zu können. Herzlichen Dank für das tolle Interview und da wünschen wir Dir alles Gute. Möchten Sie sich aktiv beteiligen und etwas Ihrer Zeit den Bewohnenden schenken? Das Team der Aktivierung freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme (062 839 02 11 / aktivierung@wasserflue.ch ) Verfasserin und Redaktion Verein Seniorenzentrum Wasserflue, DS Wasserflue-Splitter

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