Manfred Meier, Inhaber der Naturadrogerie Küttigen, führt das Geschäft an der Hauptstrasse seit rund 20 Jahren, nachdem er es von Hanspeter Oesch übernommen hatte. Am Sonntag, 7. Juni 2026, durften sich 35 Interessierte mit diesen beiden Experten auf einen spannenden Heilkräuter-Rundgang durch Küttigen begeben und dabei an ihrem enormen Wissen über Pflanzen, deren vielfältige Wirkungen und die oft überraschenden Geschichten dahinter teilhaben.

Bereits auf und rund um das Schulhausareal zeigte sich, wie reich die Natur direkt vor unserer Haustür ist. Zwischen Pausenplatz, Wegrändern, Rabatten und Gärten wachsen unzählige Kräuter, Blumen, Stauden, Sträucher und Bäume mit heilkundlicher Bedeutung. Manche davon enthalten giftige Inhaltsstoffe, die jedoch bei richtiger Verarbeitung zu wertvollen Heilmitteln werden, die Beschwerden von Kopf bis Fuss lindern, je nach Art und Zubereitung innerlich oder äusserlich angewendet – sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Besonders auffallend ist die grosse Zahl an Pflanzen mit Wirkstoffen, die die Leber unterstützen. Dieses zentrale, häufig unterschätzt Organ ist für die Entgiftung und den Stoffwechsel unverzichtbar. Als Beispiel trafen wir auf die Mariendistel, deren Wirkstoffe nachweislich zur Regeneration und zum Wiederaufbau der Leber beiträgt. Welch schöne, treffende und überraschende Namen für Heilpflanzen: Maieriisli, Mariendistel, Wegwarte, Cocikraut, Schöllkraut, Storchenschnabel, Wilde Möhre, Nachtkerze, Frauenmänteli, Spitzwegerich, Karde; oder bekannte Kräuter wie Brennnessel, Salbei, Rosmarin, Thymian, Echter Lavendel, Johanniskraut und Zitronenmelisse.
Beim Rundgang wurden auch Gehölze und Sträucher näher vorgestellt. Die Linde spielte früher eine wichtige gesellschaftliche Rolle als Ort der Gerichtsbarkeit sowie für Hochzeiten, Geburtsfeiern und Begegnungen. Sie gilt bis heute als Symbol für Gemeinschaft und Freundschaft; die Walnuss bei sich verändernden Lebenssituationen; die getrockneten Beeren des Vogelbeerbaums bei Altersheiserkeit; der Weissdorn zur Blutdruckregulation; oder die hochgiftige Thuja (Lebensbaum), welche unter anderem anregend auf das Immunsystem wirkt. Der Weissdorn wird traditionell zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt und kann bei Herzrhythmusstörungen sowie zur Blutdruckregulation hilfreich sein. Der Schlehdorn besitzt nicht nur gesundheitliche Bedeutung, sondern bietet mit seinen dichten Dornen zahlreichen Kleinvögeln Schutz vor Fressfeinden.
Neben dem Pflanzenwissen gaben Manfred und Hanspeter zahlreiche praktische Tipps für den Alltag weiter. So betonte er, wie wichtig eine saisonale und frische Ernährung für die Gesundheit sei. Wussten Sie, dass je dunkler die Farbe bei Beeren – dunkelblau, rot oder schwarz –, desto höher ihr Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist? Oder wachen Sie regelmässig zwischen ein und drei Uhr morgens auf? Dann sollte besonders der Leber Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ein einfacher Test zur Qualitätsprüfung Ätherische Öle: Geben Sie einen Tropfen auf weisses Papier. Dieses sollte rückstandslos verdunsten. Bleiben Flecken zurück, könne dies auf Verunreinigungen oder minderwertige Qualität hinweisen. Beim Antreffen der Karde wurde auf den Umgang mit Zecken eingegangen. Sie wird zur Vorbeugung von Zeckenstichen und zur unterstützenden Behandlung von Borreliose eingesetzt. Eine regelmässige Kontrolle nach Aufenthalten im Freien ist wichtig. Zecken sollten möglichst früh und sorgfältig entfernt werden, am besten mit einer Pinzette und ohne unnötiges Quetschen. Ein Tipp speziell für Männer: Brennnesselsamen können roh, beispielsweise über einen Salat gestreut, verzehrt werden und gelten traditionell als unterstützend für die Prostata. Auch Ernährungsempfehlungen kamen nicht zu kurz. Esskastanien seien eine wertvolle Alternative zu stark verarbeiteten Lebensmitteln und gesundheitlich oft vorteilhafter als günstige Industriebackwaren. Erstaunlich: wird Rosmarinöl auf die Fusssohlen aufgetragen, seien seine antibakteriell wirkenden Inhaltsstoffe bereits nach 30 Sekunden an den Händen nachweisbar. Gerade während der Grippezeit oder bei Spitalaufenthalten ist diese Anwendung sinnvoll. Faszinierend: Bestandteile ätherischer Öle konnten sogar noch in Grabbeigaben aus der Zeit des Pharaos Tutanchamun nachgewiesen werden. Oder wussten Sie, dass der Schopf-Lavendel wegen seiner markanten Blütenkrone in den Gärten verschiedener französischer Königshöfe beliebt war?
Der Rundgang machte deutlich, wie viel Wissenswertes in der heimischen Pflanzenwelt verborgen liegt. Die Teilnehmenden erfuhren Erstaunliches über Krankheiten, Heilpflanzen und die schier unerschöpfliche Vielfalt natürlicher Wirkstoffe und kehrten mit vielen neuen Erkenntnissen, spannenden Geschichten und einem geschärften Blick für die Pflanzenwelt nach Hause zurück. Es war spürbar, dass Hanspeter Oesch und Manfred Meier eine grosse Leidenschaft für ihren Beruf und die Natur teilen, und dass ihnen vor allem die Menschen am Herzen liegen. Eine persönliche und kompetente Beratung für alle Lebenslagen findet man in der Naturadrogerie Küttigen bei Manfred Meier und seinem bestens geschulten, engagierten Team.
Zum Abschluss gabs einen von den Referenten offerierten feinen Apéro, bei dem die Gelegenheit genutzt wurde, weiter zu diskutieren und sich auszutauschen.
Der Gewerbeverein Küttigen dankt Hanspeter und Manfred für diesen lehrreichen und kurzweiligen Anlass, der zeigte: Die Natur hält ihre Apotheke oft genau dort bereit, wo wir täglich vorbeigehen.








